Aussetzen von Gartenteichfischen

Warum das Aussetzen von Gartenteichfischen nicht nur verboten ist, sondern sogar strafrechtlich verfolgt werden kann

H√§ufig kommt der unliebsame Umstand einem √ľberm√§√üigen Fischbesatz entgegenzustehen, schneller als man denkt. Durch Gynogese k√∂nnen sich Goldfische zum Beispiel gleich massenhaft vermehren oder man besitzt St√∂re, die auf einmal ungeahnte Gr√∂√üen annehmen. So oder so stellt sich h√§ufig die Frage, was mit diesem √úberschuss an Fisch geschehen soll. Wir von Wiechardt & St√§hr m√∂chten hiermit ausdr√ľcklich darauf hinweisen, dass es aus zahlreichen Gr√ľnden absolut gef√§hrlich und damit ausnahmslos tabu ist Gartenteichfische in Fremdgew√§sser zu setzen.

Erstens können Sie von außen nicht beurteilen, ob einer der auszusetzenden Fische vielleicht krank ist oder sich mit Bakterien oder Parasiten infiziert hat. Wenn Sie den kranken Fisch aussetzen, tragen Sie wesentlich dazu bei, dass sich die Krankheit ausbreitet oder es gar zu einer Epidemie kommt und verstoßen damit gegen das Fischseuchengesetz.

Der n√§chste Punkt ist, dass Gartenteichfische eben genau dort hingeh√∂ren, in den Gartenteich. Nat√ľrlich ist es nicht so, als ob die Fische in der ‚Äěfreien Wildbahn‚Äú √ľberhaupt nicht √ľberleben k√∂nnten, aber sie haben es zumindest ungleich schwerer. Besonders farbenpr√§chtige Fische wie Koi oder Goldfische k√∂nnen dank ihrer F√§rbung besonders leicht von Fressfeinden wie Fischreihern ausgemacht und verzehrt werden. Wenngleich die genannten Fische zum Beispiel recht widerstandsf√§hig sind, bedeutet das Aussetzen f√ľr die Fische dennoch puren Stress. Auf die Unterschiede in Wassertemperatur und -qualit√§t sowie Ver√§nderungen der Umweltbedingungen reagieren die wechselwarmen Tiere gestresst, was bedeutet, dass sie ihre Energie, gerade in der kalten Jahreszeit, vermehrt darauf verwenden und weniger f√ľr die Nahrungssuche und Lebenserhaltung aufwenden k√∂nnen. Auch wenn man meint, man tut den Fischen mit dem Freilassen etwas Gutes, so bedeutet es f√ľr viele fr√ľher oder sp√§ter den sicheren Tod.

Ausgesetzte Fische k√∂nnen aber nicht nur durch ver√§nderte Umweltbedingungen gef√§hrdet werden, sondern selbst diese Bedingungen modifizieren. An dieser Stelle lautet das Stichwort invasive Arten. Dies beschreibt alle Arten, die nach 1492 durch den Menschen in einem Lebensraum vorkommen, in dem sie nicht heimisch sind. Sofern die Ansiedlung der Tiere nicht beabsichtigt ist, bedrohen die sogenannten ‚ÄěNeozoen‚Äú [von griechisch Neo = Neu und zŇćia = Lebewesen, Tiere] das vorhandene √Ėkosystem.

Ein gutes Beispiel ist der Katzenwels, der eigentlich in Nordamerika heimisch ist. Ungeachtet der Tatsache, dass der Katzenwels ein Raubfisch ist und selbst keine Fressfeinde hat, wurde er nach Europa verschleppt, um ihn hierzulande als Speisefisch zu nutzen. Da der Katzenwels vor allem den Laich anderer Fische verzehrt, besitzt er das Potenzial heimische Fischpopulationen in k√ľrzester Zeit zu dezimieren und sich selbst dabei unverh√§ltnism√§√üig zu vermehren und damit zur regelrechten Plage zu werden. Im Allgemeinen treten invasive Arten mit den heimischen in Konkurrenz um Lebensraum, Nahrung und andere Ressourcen bis die ans√§ssigen Tiere schlimmstenfalls g√§nzlich verdr√§ngt werden. Au√üerdem ist es m√∂glich, dass es zu einem unerw√ľnschten Gentransfer kommt, wenn die beiden sich vorher unbekannten Arten sich fortpflanzen. Genmaterial der angestammten Arten kann somit unwiderruflich verloren gehen, da sich die invasive Art mit der heimischen kreuzt und einen Hybriden erzeugt. So verschwinden nach und nach die Arten vor Ort.

Mit dem Aussetzen invasiver Arten nimmt also jeder Fischhalter Konsequenzen in Kauf, die sich auf das komplette √Ėkosystem auswirken oder es gar aus dem Gleichgewicht bringen k√∂nnen, und damit nachhaltige Sch√§den angerichtet werden k√∂nnen.

Eng mit dem vorangegangenen Punkt sind letztlich die Gef√§hrdungen von Wiederansiedlungsprojekten zu nennen. Werden Fische in Fremdgew√§ssern ausgesetzt kann es genau zu der weiter oben beschriebenen Verdr√§ngung von den Fischen, die wieder angesiedelt werden sollen, kommen. Seit 2010 ist beispielsweise der St√∂raktionsplan der deutschen Bundesregierung in Kraft. Ziel ist es, den europ√§ischen St√∂r, der mittlerweile zu den kritisch bedrohten Tierarten z√§hlt und in Deutschland als ausgestorben beziehungsweise verschollen gilt, wieder anzusiedeln. Dabei gelten die Elbe und ihr Anzugsgebiet als Lebensraum, der vom europ√§ischen St√∂r erneut besetzt werden soll. Wird ein St√∂r aus dem Gartenteich also in die Elbe entlassen und paart sich mit dem europ√§ischen St√∂r, kommt es zu einer Hybridisierung, die unbedingt zu vermeiden ist. Wie schon bei den invasiven Arten kommt es zu einem Genverlust der wiederanzusiedelnden Arten und bei den Nachkommen w√ľrde es sich nicht mehr, in diesem Fall, um reine europ√§ische St√∂r, handeln. Mit solchen Aussetzaktionen werden also langfristig geplante und extrem teure Wiederansiedlungsprojekte untergraben und der Naturschutz mutwillig sabotiert.

Dies ist auch ein Grund, wieso das Ausbringen von Fischen in Fremdgewässer gleich gegen mehrere Gesetze verstößt und damit als Ordnungswidrigkeit oder Straftatbestand zählt. Im Einzelnen betrifft dies das Natur- und Tierschutzgesetz, das länderspezifische Fischereigesetz und das
Fischseuchengesetz.

Damit l√§sst sich festhalten, dass Gartenteichfische niemals in die Natur gesetzt werden d√ľrfen. Sie k√∂nnen Krankheiten verbreiten oder durch Auff√§lligkeiten schneller get√∂tet werden. Invasive Arten wie der nordamerikanische Katzenwels verdr√§ngen heimische Arten oder erzeugen Hybriden in der Folgegeneration. Dasselbe Problem tritt auch bei Wiederansiedlungsprojekten von bedrohten Tierarten auf, die durch ausgesetzte Tiere massiv gef√§hrdet werden k√∂nnen. Da eine nachhaltige Gef√§hrdung des √Ėkosystems entstehen kann, ist es illegal Fische in Fremdgew√§sser auszubringen. Entweder f√ľr das √Ėkosystem selbst oder den ausgesetzten Fisch kann dies den Tod bedeuten. Bevor Sie also √ľber solche Ma√ünahmen nachdenken, sprechen Sie uns vorher an, sodass wir gemeinsam die Tiere und die Umwelt nachhaltig sch√ľtzen k√∂nnen!


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